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LVB Triathlon am Kulkwitzer See


Nur laufen? Kerstin wollte mehr!

2007 sollte es geschehen.

Das Ziel: Mein 1. Triathlon.

>Mit diesem noch schematisch vorhandenen Vorhaben im Kopf, hatte ich bereits letztes Jahr im Herbst mein Mountainbike gegen ein Cross-Rennrad namens „Jake“ eingetauscht, insbesondere natürlich auch, um im alltäglichen Stadtverkehr zügiger voranzukommen. Seit Beginn des Jahres dann verschlang ich Triathlon-Magazine und -Bücher, plante meinen Lauf- und Wettkampfkalender durch. Ganz banale Fragen, welche mich derart bei Laufveranstaltungen nun schon seit Jahren nicht mehr beschäftigen, tauchten wieder auf: Was ziehe ich an? Tri-Suit, Kombination oder Neo? Was brauche ich an sonstiger Ausrüstung? Wie funktionieren die Wechsel zwischen den einzelnen Disziplinen? Welche Regeln muss ich beachten? Wie trainiere ich, damit aus mir „Läuferin“ auch eine „Schwimmerin“ und „Radfahrerin“ wird?

Nicht nur das in Leipzig bis dato leider nur spärlich aufwartende Schwimmhallen-Angebot, sondern auch die im Frühsommer wiedergewonnene Lauffreude und anderweitige Verpflichtungen waren geeignete Ausreden, mich als trockenen Land- und Bergsportler nicht zum Schwimmtraining ins kühle Nass überwinden zu müssen. Und damit verschob sich auch Stück für Stück das von mir geplante Triathlon-Debüt.

So wie ich körperlich etwas angeschlagen, aber unbändigen Willens das ganze Jahr über mein Lauftraining fortsetzte, schwankte ich stetig zwischen Teilnahme und Rückzug meiner Zusage beim heimatlichen und deshalb um so mehr in und mir am Herzen liegenden LVB Triathlon am Kulkwitzer See am Sonntag, den 22. Juli 2007. Schon lange stand fest, dass meine Jungs und Kollegen Jörg, Benjamin und Erik vom Leipziger Laufladen als Staffel dort antreten werden und Mary, ebenfalls liebgewonnene Mitarbeiterin im Laden, als bereits erfahrene Triathletin in der olympischen Distanz starten wird. Die Teilnahme im Rahmen einer Staffel kam schon immer überhaupt nicht in die Tüte und nur die (längere) olympische Distanz allein zählte für mich ursprünglich als Einstiegsdistanz – ich war ja schon (lauf-)erfahren …

Schließlich schien es so, als habe mir der „Zufall“ dann das „Fällige“ zukommen lassen: am Freitag unmittelbar vor dem Wettkampf-Sonntag sagte unser rüriger Brühl-Arkaden-Hausmeister Thomas krankheitsbedingt seine Teilnahme am Kulkwitz Triathlon ab und bot uns seinen Startplatz in der Fitness-Distanz an. Es bedurfte nur noch einer überschlafenden Nacht, bis sich meine innere Begeisterung für jede Form von sportlicher Aktivität und Bewegung nicht mehr bremsen ließ: Am Samstag übernahm ich definitiv den freien Startplatz und ließ mich von Uwe noch für den Wettkampf briefen.

Und dann kam der Tag X - mein 1. Triathlon. Relativ kühle Temperaturen um 20 Grad Celsius, stetig wiederkehrende (Platz-)Regenschauer und ständig auf- und durchziehende graue Wolken spiegelten sehr praktisch meine innere Unsicherheit und ---Angst--- davor wider, dem, was da auf mich zukommt, in irgendeiner Form nicht gewachsen zu sein. Achterbahn- und ein flaues Gefühl im Bauch wie bei meinem 1. Lauf-Event! Das, was mich auffing und trug, war die Tatsache, nicht allein zu sein. Die Begleitung durch meine „Personal-Lebenstrainerin“ und Freundin Katrin, die ebenfalls ihren 1. Triathlon absolvierte, und die Begegnung mit so vielen bekannten Gesichtern rund um die Leipziger Laufszene bei meiner Ankunft und dem Einrichten meines Startplatzes am Kulkwitzer See gaben mir Zuversicht, wenn schon nicht der liebste Mensch dabei sein kann, den man hat. Genauso beruhigend wirkte die Tatsache, dass ich von den bereits erfahrenen Triathleten ohne Argwohn in ihre Reihen aufgenommen und in deren „Geheimnisse“ eingewiesen wurde, obwohl ich gleich einmal mein Fahrrad an meinem Wechselplatz verkehrt herum eingeparkt hatte. Ja, ja die Wechsel … diese könnte man beim nächsten Mal noch optimieren, um nicht wertvolle Sekunden mit der Suche nach seinem Stellplatz zu verlieren oder mit der Überlegung, ob nun mit oder ohne Socken in die Laufschuhe.

Mit roter Badekappe war ich für die Sprintwelle gemeldet. Aufgrund meines ausgefallenen Schwimmtrainings und dem letztmaligen Schwimm-Badewasserkontakt Anfang des Jahres wollte ich eigentlich alle „Sprinter“ weglassen und gemütlich hinterherschwimmen. Der Ehrgeiz war wieder stärker und ich sprang mit den anderen sofort 14 Uhr ins Wasser mit dem Ziel, die „Volkswelle“ mit Start 5 Minuten später sollte mich nicht einholen. Bis auf 2 Schwimmer tat sie das auch nicht. Das Wasser war mir unerwartet „gnädig“ - sacht und weich. Nach 12:47 Minuten waren die 550 Schwimm-Meter und damit die größte Angst überstanden.

In inniger Verbundenheit, mit Liebe und Vertrauen stellten sich mein Fahrrad „Jake“ und ich dem kämpferisches Talent erfordernden Gegenwind und absolvierten die Fahrrad-Distanz über 20 Kilometer überraschend schnell in 41:23 Minuten.

Und dann kam das Laufen … es waren nur „schlappe“ 5 schlammige Kilometer entlang des Kulkwitzer Sees zu bewältigen - für einen Marathon-Läufer also praktisch nichts - doch schienen mir meine Beine so schwer wie selten zuvor. Konkret: nur beim diesjährigen Strongman Hindernis Lauf in Münster hatte ich bis dato mit solch tonnenschweren Bleibeinen zu kämpfen. Dabei hatte ich mich doch beim Wechsel dafür entschieden, auf die Socken im Schuh zu verzichten. Wo kam also der Ballast her? Schlussendlich trugen mich nach 23:30 Minuten die anfeuernden Menschen am Rand die letzten Meter ins Ziel der nicht Enden wollenden Laufstrecke.

... und ich war erleichtert, hatte mich befreit von der Angst und Unsicherheit des "1. Mals", meines 1. Triathlons, habe Kraft und Mut gewonnen, weil ich gegen mich selbst - und mich selbst wieder gewonnen hatte.

(Kerstin)


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